Rückgang bei Firmen- und Privatinsolvenzen (Foto: imago)Erstmals seit der Einführung der Insolvenzordnung 1999 ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland gesunken. Nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht der Rückgang im ersten Halbjahr 2008 jedoch nicht auf eine bessere Situation überschuldeter Haushalte zurück, sondern auf einen Antragsstau bei den Schuldnerberatungsstellen. Dagegen sorgte die robuste Konjunktur dafür, dass die Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2008 erneut sanken. Allerdings könnte sich der Trend im Laufe des Jahres umkehren.
Unternehmensinsolvenzen: Deutlicher Rückgang im Osten
Die Firmenpleiten gehen nun mehr seit vier Jahren in Folge zurück. In den ersten sechs Monaten 2008 stellten 14.400 Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das sind 5,1 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Westdeutschland nehmen die Unternehmensinsolvenzen allerdings nicht so stark ab wie in Ostdeutschland. Während sich im Westen die Konkurse von Betrieben um 2,7 Prozent auf 11.350 Fälle reduzieren (Vorjahr: 11.660), gehen die Insolvenzen im Osten um 13,4 Prozent auf 3.050 betroffene Unternehmen (Vorjahr: 3.520) zurück.
Insolvenzen im Handel nehmen gegen den Trend zu
Am deutlichsten abgenommen haben die Insolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe: Um 25,0 Prozent auf 1.170 betroffene Betriebe (Vorjahr: 1.560) haben die Konkurse im Jahresverlauf abgenommen. Der Handel hingegen verzeichnete dagegen einen Anstieg der Insolvenzen um 2,7 Prozent auf 3.410 betroffene Unternehmen (Vorjahr: 3.320). Nach Ansicht von Creditreform bremsen die Inflation und die hohen Energiekosten die Kauflust der Verbraucher.
Erneuter Anstieg bei Firmeninsolvenzen möglich
Zudem rechnet Creditreform bei den Firmenpleiten im Gesamtjahr 2008 mit 27.000 bis 30.000 Fällen. Damit sei ein Wiederanstieg nach dem rückläufigen Trend der Vorjahre nicht ausgeschlossen. 2007 gingen 29.150 Firmen pleite. Auch die Finanzkrise dürfte sich bei den Firmenpleiten bemerkbar machen. Vor allem Neugründungen seien derzeit wegen der Verschärfungen der Finanzierungsbedingungen anfällig. Höhere Fremdkapitalkosten und die gestiegenen Sicherheitsbedürfnisse der Gläubiger machen das Wachstum für Gründer teurer.
Auch die Entwicklung bei den Privatinsolvenzen bereitet Sorgen. Zwar ging die Zahl dieser Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent auf 48.350 Fälle zurück. Doch das liegt vor allem an dem Ansturm der Schuldner auf die Schuldnerberater. Da die Amtsgerichte aus Kostengründen immer seltener die Kostenübernahme für eine Beratung durch einen Rechtsanwalt bewilligten, seien die für die Verbraucher kostenlosen Schuldnerberatungsstellen um so häufiger Anlaufstellen. Viele Verbraucher warten dementsprechend mit der Einleitung des Insolvenzverfahren. Creditreform fordert daher ein Aufstocken der staatlichen Förderung für die Schuldnerberatungsstellen.
Unterbrecher 70-Tage
Lage von Verbrauchern hat sich verschlechtert
Für das Gesamtjahr 2008 erwartet Creditreform insgesamt 130.000 bis 140.000 Privatinsolvenzen und sonstige Insolvenzen, zu denen Pleiten von ehemals Selbstständigen und GmbH-Gesellschaftern zählen. Damit könnte ein neuer Höchststand erreicht werden. Im vergangenen Jahr wurden 135.600 Insolvenzen in diesen beiden Kategorien gezählt. "Die wirtschaftliche Lage von Verbrauchern und Haushalten hat sich in den vergangenen Wochen verschlechtert", sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl mit Verweis auf Energiekosten.