16.09.2010, 15:30 Uhr | Spiegel-Online
Britische Werbeaufsicht: Verbot von Eis-Werbung mit schwangerer Nonne (Foto: Federici)
Die Kampagne soll satirisch die Überheblichkeit von Religion aufs Korn nehmen - ausgerechnet zum Papst-Besuch: Die britische Werbeaufsicht hat ein Plakat des Eiscreme-Herstellers Antonio Federici verboten, auf dem eine schwangere Nonne zu sehen ist. Die Firma hat weitere Motive im Angebot.
Die hübsche junge Nonne schaut genüsslich auf einen Löffel Eiscreme, unter ihrem Gewand zeichnet sich ein großer, runder Bauch ab. Sie ist schwanger. Neben ihr steht "immaculately conceived" - unbefleckt empfangen. Mit diesem Bild wollte der Eis-Hersteller Antonio Federici ausgerechnet zum Papst-Besuch in Großbritannien werben.
Doch die britische Werbeaufsicht (ASA) stoppte die Kampagne. Das Bild sei zu anstößig, die schwangere Nonne mache den Glauben von Katholiken lächerlich, sagten die Werbewächter und verboten das Plakat kurzerhand. Das Unternehmen stört sich daran wenig: "Wir werden uns dem ASA-Verbot widersetzen und ein weiteres Plakat aus der Serie noch vor dem Besuch des Papstes veröffentlichen", sagte eine Firmensprecherin. Werbeflächen entlang der Papstroute in der Nähe von Westminster Abbey seien bereits gemietet.
Das Unternehmen gibt sich ganz unschuldig: Das Wort "Empfängnis" repräsentiere die Entwicklung der Eiscreme der Firma. "Immaculately conceived" kann nämlich auch als "tadellos entwickelt" verstanden werden. Und die religiösen Symbole seien einerseits Ausdruck der starken Gefühle für das Produkt, andererseits wolle man "satirisch und humorvoll die Relevanz und Überheblichkeit von Religion sowie die Einstellung der Kirche zu sozialen Fragen kommentieren und in Frage stellen". Die Verbotspraxis der ASA laufe auf Zensur künstlerischer Freiheit hinaus, nur weil bald der Papst komme, beschwerte sich das Unternehmen.
Mit welchen anderen Bildern der Eiscreme-Hersteller nun den Papst-Besuch flankieren wird, ist noch nicht bekannt. Auch die weiteren Plakate aus der Kampagne haben es in sich. Eines zeigt zum Beispiel ein schwules Pärchen in einer Kirche. Bereits im letzten Jahr sah sich die Firma mit einem Verbot der ASA konfrontiert: Damals zeigte ein Werbeplakat einen Priester und eine Nonne kurz vor einem Kuss und den Worten "der Versuchung unterworfen". Eines steht fest: Das Werbekonzept ist dank der öffentlichen Aufregung um das Plakat voll aufgegangen.
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