14.09.2010, 13:51 Uhr | t-online.de/business
Gerügt: Werberat beanstandet diese Werbung. (Foto: Deutscher Werberrat)
Viel nackte Haut und eindeutige Einblicke: Damit wollen Unternehmen oftmals ihre Kunden ködern. Das kann aber auch schnell mal zu weit gehen - so bei gleich vier Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2010 mit Frauen herabwürdigender Werbung negativ aufgefallen sind und sich prompt eine Rüge des Deutschen Werberats eingefangen haben. Wir stellen Ihnen die Ergebnisse des Deutschen Werberats vor und zeigen Ihnen in einer Foto-Serie, welche Werbung öffentlich gerügt worden ist.
Auffällig sei, dass die Menge von Werbemaßnahmen im Internet, über die sich Konsumenten beim Deutschen Werberat beschwert haben, sprunghaft angestiegen sei. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres gerieten nach Angaben des Zentralverband der deutschen Wirtschaft (ZAW) 30 Kampagnen in den Fokus von Protesten, 2009 waren es im Vergleich dazu nur neun gewesen. Damit kam fast ein Fünftel der Werbung, über die das Gremium entscheiden musste, aus dem Internet. Übertroffen werde das nur noch von Außenwerbung mit 34 und TV-Spots mit 31 kritisierten Kampagnen.
Dennoch schätzt der ZAW das noch nicht als besorgniserregend ein. "Wir befinden uns bei dieser Mediengattung in Sachen Werbung noch in der unteren Problemzone, beobachten die Entwicklung aber sehr genau", sagte ein Sprecher des Werberats in Berlin. Der Verband führt die erhöhte Zahl auch darauf zurück, dass seit 2009 das System der Beschwerde im Internet vereinfacht worden sei. Außerdem seien es meist kleine Unternehmen, die Kritik von Internet-Nutzern auf sich zögen und damit als Randphänomene einzustufen seien.
Insgesamt entschied der Werberat in den ersten sechs Monaten über 157 kritisierte Werbemaßnahmen (Vorjahr: 147), das entspricht eine Steigerung um sieben Prozent. Die Ursache dafür sieht der Werberatssprecher in einem Anti-Alkoholprojekt der EU-Kommission. "Dafür sucht die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS nach Test-Fällen, um die vermeintliche Wirkungslosigkeit der Werbeselbstdisziplin zu unterstellen - die DHS strebt seit Jahren die weitgehende Behinderung des Markenwettbewerbs für Alkoholprodukte an."
In 49 Fällen schloss sich das Gremium der Bürgerkritik an. 32 Kampagnen wurden danach eingestellt und 12 entsprechend der Kritik abgeändert. Bei fünf Fällen erteilte der Werberat eine öffentlich Rüge aufgrund mangelnder Einsicht bei den Unternehmen. Dabei handelte es sich um vier Kampagnen mit Frauen herabwürdigen Inhalt und einer Gewalt verherrlichenden Werbung.
Entsprechend zugenommen hätten beim Werberat Beschwerden über die Werbung von alkoholhaltigen Getränken - im ersten Halbjahr 2010 hagelte es Beschwerden wegen 20 Kampagnen, ein Jahr zuvor waren es nur sieben. Danach rangierten Bekleidung (15 Kampagnen), Kfz und Autozubehör (14), Gaststätten (13) sowie Kreditwirtschaft und Kommunikationstechnik mit je zehn kritisierten Kampagnen. An erster Stelle der Gründe für Kritik an kommerzieller Werbung stand laut ZAW mit 41 Prozent der betroffenen Kampagnen erneut der Vorwurf, Frauen würden herabgewürdigt. Erstmals an zweiter Stelle rangiert mit neun Prozent erstmals die Unterstellung, die Werbung verstoße gegen die Alkohol-Regeln des Werberats.
t-online.de/business
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