18.05.2010, 08:06 Uhr | t-online/business
Schauspieler Nick Wilder gab ab 1997 "Herr Kaiser von der Hamburg Mannheimer". (Foto: Imago)
Tschüss, "Herr Kaiser": Die Werbeikone der Hamburg-Mannheimer verliert nun doch ihren Job. In der Planung einer Kampagne zur neuen Marke Ergo spiele der smarte Versicherungsvertreter keine Rolle mehr, erklärte die Marketing-Leiterin der Hamburg-Mannheimer Versicherungen, Andrea Hoelken.
"Herr Kaiser" trat 1972 seinen Dienst an für die Hamburg-Mannheimer an - und ist damit nach Angaben der Hamburg-Mannheimer die dienstälteste Werbefigur in Deutschland. Bei seiner Entwicklung ging es dem Unternehmen schlicht und einfach darum, den Konzern durch die Werbung zu "vermenschlichen": Eine Symbolfigur sollte dem Außendienst der Hamburg-Mannheimer ein Gesicht geben.
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Bis 1996 gab Günter Geiermann den netten "Herr Kaiser". (Foto: Imago)
Bis 1996 verkörperte Schauspieler Günter Geiermann den "Mann von der Hamburg Mannheimer", der stets korrekt mit Anzug, Hemd, Krawatte sowie dem unvermeidlichen Aktenkoffer und dem Spruch "Gut, dass ich Sie treffe" auf Kundenfang ging. Den Slogan "Man kennt uns", den das Unternehmen ihm in den Mund legte, wurde 1973 zur Bundestagswahl sogar in "Man wählt uns - Hamburg Mannheimer" umgewandelt. In den Spots menschelte es gewaltig - im Rahmen der biederen Bürgerlichkeit der 1970er Jahre. "Nennen Sie es Vorsorge - wir nennen es Liebe!", betont Kaiser etwa in einem Spot, in dem er versonnen lächelnd spielenden Kindern zuschaut.
Einen Vornamen erhielt der Werbeheld der Versicherungsbranche erst 1979 - fortan weiß das TV-Publikum, dass Kaiser privat Günter heißt. Das war notwendig, weil unter seinem Namen Anzeigen geschaltet wurden, die wie redaktionelle Artikel wirken sollten. 1997 fand der Konzern dann, die Marke könne ein frischeres Gesicht vertragen und schickte den Schauspieler Nick Wilder fortan in der Kaiser-Rolle an die Werbefront. Kaiser wurde einen Tick moderner und lässiger. 2000 zeigte ein TV-Spot den Versicherungs-Experten sogar im Wellness-Bad "oben ohne", zur Fußball-WM 2006 zog er die Kickstiefel an und schoss ein "Vorsorge-Tor". Trotzdem kommt für ihn jetzt das Aus - ein weiterer Kandidat für den Friedhof der Reklamehelden wie Tilly von Palmolive, Klementine und Co.
TV-Spot: Video: "Lassen Sie uns drüber reden!"
TV-Spot: Herr Kaiser kickt
Die Werbefigur sei zwar sehr bekannt, stehe aber zu sehr für die alte Marke. Nach dem heutigen Stand sei auch nicht vorgesehen, dass ein anderer Prominenter den Mittelpunkt der millionenschweren Werbekampagne bilde, die im Juli starten werde. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass "Herr Kaiser" noch bei internen Veranstaltungen auftreten werde.
Der Ergo-Konzern will neue Lebens- und Sachversicherungen in Deutschland demnächst nur noch unter der Marke Ergo anbieten. Die zum Teil über 100 Jahre alten Marken Victoria und Hamburg-Mannheimer verschwinden damit vom Markt. Die Umstellung erfolge im Sommer und Herbst.
Ergo lässt sich das Bekanntmachen der neuen Marke Ergo in diesem Jahr gut 54 Millionen Euro kosten, für das kommende Jahr sind zusätzlich zum üblichen Werbebudget 19 Millionen Euro vorgesehen. In den Zahlen ist auch die Umstellung der KarstadtQuelle Versicherung auf die Marke Ergo Direkt enthalten. Von der neuen Markenstrategie erhofft sich der Düsseldorfer Konzern mehr Wachstum. Die ebenfalls zu Ergo gehörenden Marken DKV, D.A.S. und ERV bleiben erhalten.
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