22.04.2009, 10:24 Uhr | dpa, Caroline Bock/ t-online.de/business
Johanna König alias "Klementine" (Foto: dpa)
Sie brachte den Deutschen bei, dass Wäsche "nicht nur sauber, sondern rein" sein soll. Ihr Markenzeichen: weiße Latzhose und rot-kariertes Hemd. Die Schauspielerin Johanna König warb als patente Klementine in den 70er Jahren für das Waschmittel Ariel, vor kurzem ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben. Klementine gehört zu den berühmtesten Figuren der deutschen Werbung. Sie hat ihren Platz direkt neben Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer- Versicherung, Frau Antje aus dem Käsereich Holland, dem cholerischen HB-Männchen ("Wer wird denn gleich in die Luft gehen?") und dem Lurchi-Salamander.
Werbung ist viel älter als die Bundesrepublik, Reklame gab es schon in der Antike. Ein bekanntes deutsches Motiv aus den 20er Jahren ist zum Beispiel die "weiße Dame" von Persil. Im Wirtschaftswunder unter Bundeskanzler Konrad Adenauer erlebte die Werbung in den Nachkriegsjahren eine neue Blüte. Die Ladenregale waren wieder gut gefüllt. Die Deutschen hatten Geld und wollten es auch ausgeben.
Dazu brauchten sie Anleitung. Werbespots dauerten mehrere Minuten. Mit deutscher Präzision wurde erklärt, wie ein Spülmittel funktioniert: In einem Laborbecken versank eine Ente, weil ihre Federn mit Pril eingeweicht werden. Ob Feinwaschmittel oder Margarine, vieles war nach den Entbehrungen des Krieges wieder da. "Rama - Sie hat uns gefehlt, all die Jahre!", lautete ein Werbeseufzer.
Frauen waren zwar tüchtig, hatten aber wenig zu melden, der Gatte wurde wahlweise mit Hühnersuppe oder Filterkaffee besänftigt. Wenn die Gattin es mit den Nerven hatte, riet eine Stimme aus dem Off zum Beruhigungstrunk "Frauengold". Ein Kinderchor besang die Düfte 4711 und Tosca. Gereimt wurde wie heute nur noch auf Familienfeiern: "Pril? Braucht man da viel?" oder "Wenn einem also Gutes widerfährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert". 1956 begann mit dem ersten Fernsehspot, damals im Bayerischen Rundfunk, eine neue Ära: Liesl Karlstadt trat darin für Persil als zänkische und ordnungsliebende Ehefrau auf.
Werbung hat im Kino, auf Plakaten und Bildschirmen das kollektive Gedächtnis ganzer Generationen geprägt. "Er läuft und läuft und läuft", hieß es von 1960 an in einer legendären Kampagne für den VW-Käfer. Auch die sexuelle Befreiung und die Hippiezeit fanden ihr Echo. 1968 schwebten Nonnen im Afri-Cola-Rausch. Das Fa-Mädchen duschte in den 70ern gar oben ohne, der Deostift wurde geteilt: "Mein Bac, dein Bac. Bac ist für uns alle da".
Auch in der DDR gab es in den engen Grenzen des Sozialismus Reklame, die aber in den 70er Jahren weitgehend zurückgefahren wurde. Der Minol-Pirol sollte an die Tankstelle locken, Kinder planschten mit der Badusan-Ente. 1964 war sogar ein staubsaugender Mann zu sehen, da war die DDR moderner als die BRD. Werbung für Haushaltsprodukte ist bis heute Frauensache. "Wer etwas anbietet, muss sich an die Kundengruppen richten", erklärt Volker Nickel vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft. Werbung rennt eher den Trends hinterher, als Vorreiter zu sein.
Reklameblöcke waren in den 70ern und 80ern für die von Florian Illies beschriebene "Generation Golf" genauso interessant wie Rudi Carrell. Kinder spielten beim Warten auf die Vorabendserie "Werberaten", es gewann derjenige, der am schnellsten die Produkte erkannte. Schlechte Karten hatte, wer auf die Waldorfschule ging und ohne Fernseher aufwuchs. Der konnte Tilly, die ihre Hände in Palmolive badete, Frau Sommer mit dem Debakel an der Kaffeetafel und das neben der Hausfrau schwebende "Lenor Gewissen" nicht kennen. Hinter den meisten Fernsehfiguren steckten Schauspieler. Aber Dr. Best, der Tomaten mit der Zahnbürste traktierte, war echt, wie Volker Nickel beteuert.
Mit dem Siegeszug der privaten Sender in den 80er Jahren kam eine Flut an Fernsehwerbung. Die Zielgruppen wurden immer unterschiedlicher und bunter, das klassische Familienbild verschwand allmählich. Die Spots wurden origineller, auch damit der Zuschauer nicht wegzappt. Bei einer Quark-Werbung plumpste ein Dicker durch die Decke, Audi ließ sein Auto eine Skischanze hochfahren. Prominente waren und sind beliebte Werbeträger - von Boris Becker im AOL-Spot ("Ich bin drin") bis zu Olli Dittrich, der für den Media Markt blödelt. Bis heute schaffen es Werbeslogans zur festen Redewendung. Zuletzt war das wohl bei "Geiz ist geil" von Saturn der Fall.
Die beliebtesten deutschen Werbefiguren waren in einer Umfrage von 2006 zwei Oldies: der Bärenmarke-Bär, gefolgt von den ZDF- Mainzelmännchen. Auf Platz drei landete der Bär der Toilettenpapiermarke Charmin, eine noch junge Figur in der deutschen Konsumwelt. Was wird aus der Werbung in der Zeit von Internet und Festplattenrekorder, mit dem man Werbeblöcke ausblenden kann? Eine Antwort auf die Frage ist noch nicht gefunden. Im Fernsehen würde eine Stimme sagen: "Bleiben Sie dran."
dpa, Caroline Bock/ t-online.de/business
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de