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Wie die Kreditkrise Sparer treffen kann

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Wie die Kreditkrise Sparer treffen kann

14.08.2007, 09:22 Uhr | manager-magazin.de

Erneut hat die Europäische Zentralbank (EZB) dem Geldmarkt Liquidität zugeteilt. Am Dienstag waren es weitere 7,7 Milliarden Euro an frischem Geld. Damit stellte allein die EZB seit vergangenem Donnerstag dem Markt insgesamt über 200 Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität zur Verfügung. Die Schnelltender waren aufgrund des Übergreifens der US-Hypothekenkrise auf den Euro-Raum und der damit verbundenen Liquiditätsengpässe am Geldmarkt nötig geworden. Am deutschen Aktienmarkt herrscht auch am Dienstag Flaute, Anleger sind durch die Kreditkrise verunsichert. Droht nun ein jahrelanger Kursrutsch? Und können private Investoren Geldmarktfonds noch so wie bisher trauen? Experten erklären gegenüber manager-magazin.de, wie es weitergeht.

Abgrund oder begrenzte Korrektur?
Da sind die einen. Mit finsterer Miene murmeln sie Düsteres. Das sei der Anfang vom Ende, die Immobilienkrise werde zuerst die Aktienmärkte weltweit erfassen und dann die Realwirtschaft in den Abwärtsstrudel ziehen. Und da sind die anderen. Die meinen, es handele sich nur um eine temporäre Korrektur, die auch ihr Gutes habe. Immerhin würden die teilweise schon hohen Kurse der Aktien wieder auf ein normales Maß zurückgeführt werden.

Verkaufen oder durchstehen?
Dazwischen steht der Anleger, der sein fieberndes Portfolio voll Sorge betrachtet. Soll er gleich Antibiotika nehmen - sprich, seine Aktien komplett verkaufen? Oder doch der Natur ihren Lauf lassen und das Schwitzbad durchstehen? Vermutlich erst einmal durchatmen, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und sich die Fakten noch einmal vergegenwärtigen.

Immobilienwerte kletterten
In den USA ist es üblich, Häuser zu kaufen und nicht wie in Deutschland zu mieten. Dazu nehmen die Käufer Kredite auf - und in den Zeiten der niedrigen Leitzinsen in den USA bekamen auch solche Haushalte Darlehen, die sich Grundeigentum eigentlich nicht leisten konnten. Das trieb auch die Nachfrage nach Immobilien. Und damit auch die Konsumlaune, denn wessen Haus im Jahr teilweise zweistellige Prozentzahlen an Wert gewann, der fühlte sich wohlhabend und war entsprechend spendabel.

Banken verkauften die Forderungen
Die Banken indes beließen es nicht nur dabei, die Kredite an die finanzschwachen Haushalte in den eigenen Bilanzen zu halten, sondern sie verkauften sie an andere Institute. Die Verkäufer konnten so ihre Bilanzen aufräumen und bekamen schnelles Geld, statt Gefahr zu laufen, irgendwann doch keines zu bekommen. Und die Käufer erhielten höher verzinste Papiere, als der Geldmarkt es normalerweise leistet.

Löcherige Kreditbündel
Solche Kreditbündel wurden immer weitergereicht und schienen risikolos zu sein. Nun aber treten die damit verbundenen Gefahren zutage. Etliche Kunden solcher Darlehen können die Raten nicht mehr zahlen und müssen ihre Häuser verkaufen. Das lastet zum einen auf dem US-Wohnimmobilienmarkt. Zum anderen bringt es jene Institutionen in Bedrängnis, die auf den Kreditbündeln sitzen. Einige Geldmarktfonds zum Beispiel. Genauer, jene Geldmarktfonds, die etwas mehr Rendite versprechen als der Geldmarkt selbst. Sie tragen häufig ein "Plus" im Namen und kaufen zum Beispiel Asset Backed Securities (ABS) hinzu, um jenes Performance-Plus zu erwirtschaften.

Was sind eigentlich ABS?
Und selbst das ist eigentlich nur verschwommen. "Die Begriffsbestimmung "ABS" ist in diesem Zusammenhang wichtig, denn ABS ist nicht gleich ABS", erklärt Max Holzer, Leiter der Asset Allocation bei Union Investment. "ABS wird sowohl als Oberbegriff für alle strukturierten Kreditprodukte als auch als Unterbegriff für hoch eingestufte, pfandbriefähnliche Verbriefungen von Hypothekendarlehen mit guter Bonität verwendet." Mit anderen Worten: Der Markt scheint momentan alle ABS über einen Kamm zu scheren.

Nervosität statt Nüchternheit
Und ansonsten? Genaueres weiß man nicht. Und genau diese Unsicherheit in volatilen Märkten mögen Anleger nicht. Entsprechend nervös agieren sie. Und ziehen zum Beispiel Geld aus Fonds zurück, von denen sie vermuten, dass sich ABS darin befinden. Manche Gesellschaften kontern mit einer Fondsschließung. Das Geld der Anleger ist dann nicht weg, nur zeitweise unter Verschluss der Verwalter, um jene Anleger zu schützen, die ihr Geld im Anlagevehikel lassen. Denn millionenfache Abflüsse könnte das Fondsmanagement nicht aus der Kasse zahlen, sondern müsste dazu Beteiligungen verkaufen - oftmals mit Verlusten zulasten der Anleger.

Fondsschließungen steigern die Unruhe
Diese Fondsschließungen sind ein völlig legales Unterfangen. Das aber die Nervosität nur noch steigert. Die DWS geht daher einen anderen Weg und erklärt per Pressemitteilung offensiv, ihren ABS-Fonds offen halten zu wollen. Auch bei anderen Gesellschaften wie der Deka bleiben die entsprechenden Fonds offen, wenn auch ohne die deutlichen Ankündigungen.

Was noch passieren kann
Die Anleger sind also nervös - und nun? Kann mehr geschehen, als dass zum Beispiel spezialisierte Fonds den Investoren nicht mehr zugänglich sind? Es kann. "Die Gefahren sind eigentlich eher US-amerikanischer Natur, aber in Zeiten der globalen Finanzmärkte werden bei größeren Erschütterungen auch naheliegende Anlageklassen und andere Regionen in Mitleidenschaft gezogen, selbst wenn sie direkt nichts mit der Subprime-Krise zu tun haben", sagt Achim Küssner, Deutschland-Chef bei der Fondsgesellschaft Schroders.

Andere Bereiche können sich anstecken
"Die Gefahr der Subprime-Krise in den USA liegt darin, dass sie auf andere Wirtschaftsbereiche übergreift. Die jüngsten Meldungen am Kreditmarkt zeigen, dass durchaus eine Ansteckungsgefahr durch die US-Immobilienkrise besteht, das Risiko zugenommen hat, und die Anleger höchst sensibel auf Meldungen hierzu reagieren", ergänzt Holzer von der Union Investment.

Höhere Risikoaufschläge
"Die Risikoaversion der Investoren hat vor dem Hintergrund der Subprime-Krise deutlich zugenommen. Infolgedessen verlangen sie höhere Risikoaufschläge auf der Rentenseite, was wiederum dazu führt, dass die allgemeine Kreditversorgung erschwert wird." Tatsächlich ist die stetige Versorgung der Weltwirtschaft mit Liquidität, mit Geld also, die Hauptsorge der Finanzexperten. Vorzugsweise aus diesen Gründen hatten die Zentralbanken Japans, der EU und Australiens Geld auf den Markt geworfen - um die Liquidität zu wahren.

Krise gebiert auch Chancen
Dass dieses Risiko Realität wird, halten die meisten Experten allerdings für unwahrscheinlich. Auf 20 bis 25 Prozent berechnet Ad van Tiggelen von der ING die Chance, dass ein andauernder Liquiditätsengpass den US-Konsumenten ausbremst. "Das wäre schlecht für das globale Wachstum", so der Chefstratege. Wahrscheinlich wird alles gut, so der Umkehrschluss. "Es ist wichtig, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA offenbar auf einem vernünftigen Niveau bleibt. Wir sehen das also noch immer nicht als Start eines langen Bärenmarkts", so van Tiggelen. Die Krise, die auch Chancen gebiert, das scheint auch der Vermögensverwalter Hendrik Leber so zu sehen: "Nach den Kursrutschen der letzten Wochen sind Aktien sehr interessant geworden. Für die nächsten zwölf Monate sind Aktien-Investments wahrscheinlich gut."


Quelle: t-online.de

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