Der Streit um Lohnerhöhungen verschärft sich (Quelle: imago)Angesichts unsicherer Aussichten für 2010 haben Unternehmensverbände und Wirtschaftsexperten die Arbeitnehmer zur Lohnzurückhaltung aufgerufen. Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHK), Martin Wansleben nannte das Potenzial für Lohnsteigerungen in der "Bild"-Zeitung "nahezu aufgefressen". Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst dagegen erklärte, Nullrunden seien Gift für die Konjunktur.
Angesichts der Wirtschaftskrise hätten die Löhne in vielen Branchen eigentlich deutlich sinken müssen, sagte Wansleben, der "Bild"-Zeitung. "Mit Kurzarbeit haben die Firmen Beschäftigung gehalten, aber dafür auch viel Geld bezahlt."
DIW fordert gleiche Loyalität von Beschäftigten
Auch der Präsident des Berliner Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, warb für Zurückhaltung. "Die Firmen sitzen auf hohen Personalbeständen, die sie nicht entlassen haben", sagte Zimmermann der "Bild". Die gleiche Loyalität sollten jetzt die Beschäftigten üben und mittelfristig Lohnzurückhaltung zeigen. Dies könne in der einen oder anderen Branche auch eine zweijährige Lohnpause sein.
IW: Nullrunde denkbar
Der Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln forderte von beiden Tarifpartnern Augenmaß. "Wir brauchen Lohnkürzungen, wo nötig, und Lohnerhöhungen, wo möglich. Die Marschrichtung muss sein, dass es streng genommen so gut wie nichts zu verteilen gibt", sagte er der Zeitung. Eine einjährige Nullrunde sei denkbar, allerdings nicht flächendeckend.
Linken-Fraktionsvize kritisiert Forderungen
Linken-Fraktionsvize Ernst hingegen erklärte, es sei "unredlich", Jobsicherung gegen Lohnerhöhungen aufzurechnen. Die Kurzarbeit koste vor allem die Bundesagentur für Arbeit und den Staat Milliarden. Die Unternehmen hätten auch ihre Personalkostenkonten entlastet und sparten nach der Krise Rekrutierungs- und Qualifikationskosten. Wenn nun die Löhne gedeckelt würden, dann schade dies der Konjunktur. "Wenn die Löhne nicht steigen, säuft die Massennachfrage ab." Ordentliche Lohnerhöhungen seien ein "probates Antikrisenrezept".