22.06.2010, 14:19 Uhr | apn, dpa, AFP, bab
EZB-Präsidentschaft: Die deutsche Wirtschaft unterstützt eine Kandidatur Axel Webers (Foto: ddp) (Quelle: ddp)
In Deutschland formiert sich eine breite Front von Unterstützern für eine Kandidatur Axel Webers als Präsident der Europäischen Zentralbank. Neben Politikern aus Union und FDP haben sich auch die Chefs des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung klar für eine Nachfolge Webers auf dem Posten von Jean-Claude Trichet ausgesprochen.
Die Sympathiebekundungen wurden notwendig, nachdem der US-Starökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman die Besetzung des Postens durch Weber im "Handelsblatt" als "Risiko für das Schicksal des Euros" bezeichnet hatte. Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien kommt, ist in den Augen Krugmans größer, wenn Weber Präsident der EZB wird. Krugman wurde 2008 für seine Theorien über Außenhandel und Wirtschaftsgeographie mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Er gilt als scharfer Kritiker des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.
In Deutschland führten die Aussagen Krugmans umgehend zu Reaktionen. Als erster sprach sich DIW-Präsident Klaus Zimmermann für Weber als künftigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank aus und wies die Kritik Krugmans zugleich scharf zurück. "Axel Weber war einer der wichtigsten Akteure bei der Bewältigung der Finanzkrise, er wäre als EZB-Präsident ein glaubwürdiger Garant für einen stabilen Euro", sagte Zimmermann dem "Handelsblatt Online". "Der persönliche Angriff von Paul Krugman, der sich auch in Europa nicht so recht auskennt, auf den deutschen Bundesbankpräsidenten, ist also eine billige Anmache und kann wenig überzeugen."
Zugleich verteidigte Zimmermann die deutsche Stabilitätskultur gegen Kritik von Krugman. Der US-Ökonom drohe Deutschland gewissermaßen mit einem "Handelskrieg", wenn es nicht von einer Politik des schwachen Euros abweiche. "Das ist eine groteske Analyse des Nobelpreisträgers, dient doch die von Deutschland unterstützte Stabilitätskultur gerade der Stärkung des Euros." Es bleibe zu hoffen, dass die besonnene amerikanische Regierung beim G20-Gipfel "die Kirche im Dorf" lassen werde. "Es wäre besser, die G20 würden endlich glaubwürdig tiefgreifende Regulierungen der Finanzmärkte beschließen", sagte der DIW-Präsident. "Der von Krugman inszenierte Theaterdonner lenkt nur von den eigentlichen drängenden Fragen ab."
Ähnlich scharf wie Zimmermann ging auch IfW-Präsident Dennis Snower mit Krugman in die Kritik und stärkte Weber den Rücken. "Wir brauchen einen EZB-Präsidenten, der Inflationserwartungen auf niedrigem Niveau stabil hält und den EU-Staaten dadurch den Freiraum gibt, Rezessionen zu überwinden, ohne Inflation anzufachen". Die EZB sei nicht dazu da, fiskalpolitische Fehler im Euro-Raum zu korrigieren. "Sie muss die Inflation bändigen und Finanzmarktstabilität gewährleisten. Sie darf kein Substitut für Fiskalpolitik sein", argumentierte Chef des Kieler Instituts.
Auch von Snower folgte dann ein klares Ja zu einer Kandidatur des Bundesbankchefs. "Axel Weber erfüllt alle Voraussetzungen, um ein fantastischer Präsident zu sein", sagte Snower dem "Handelsblatt". Der IfW-Chef sagte weiter, Weber habe ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, einen riesigen Wissensstand, interpretiere seine Aufgabe sehr breit, und wisse, wie wichtig es sei, die Inflationserwartungen stabil zu halten. "Wenn heute eine Inflationsrate von vier Prozent zugelassen wird, stehen morgen sechs Prozent und übermorgen acht zu Debatte. Das darf nicht sein und das weiß und beherzigt Weber", wird Snower vom Handelsblatt" zitiert.
Quelle: AFP , dapd , dpa , t-online.de
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