17.02.2010, 09:57 Uhr | AFP
Laut einer Studie nimmt die Wirtschaftskriminalität zu (Foto: dpa)Die Unternehmen in Deutschland sehen Wirtschaftskriminalität einer Studie zufolge zunehmend als Gefahr. Rund 80 Prozent der Betriebe betrachten kriminelle Handlungen von Mitarbeitern als "ernsthaftes Problem" - ein Anstieg um neun Prozentpunkte gegenüber der Vorgängeruntersuchung von 2006, wie die Unternehmensberatung KPMG mitteilte. Vor allem Internet-Delikte haben demnach massiv zugenommen.
Speziell große Firmen fürchten der Studie zufolge die Gefahren krimineller Handlungen ihrer Mitarbeiter: Neun von zehn Konzernen sehen mögliche Vergehen als Problem. Für die kommenden Jahre rechneten 67 Prozent der Unternehmen mit einer Zunahme der Kriminalität im eigenen Betrieb. Seit der Vorgängeruntersuchung 2006 seien 37 Prozent der Firmen Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden, teilte KPMG mit. Vermögensschäden für die Unternehmen stellten der Untersuchung zufolge nach wie vor die häufigsten Delikte dar. Betrug von Mitarbeitern sei mit 61 Prozent das größte Problem, 57 Prozent der Betriebe beklagten Diebstahl oder Unterschlagung, rund 45 Prozent Untreue.
Auch die Geldwäsche gewinnt zunehmend an Bedeutung: Hätten 2006 noch 16 Prozent der Unternehmen mit dem Problem kämpfen müssen, seien es jetzt 21 Prozent. Die Fälschung von Jahresabschlüssen und anderen Finanzinformationen war den Angaben zufolge in 13 Prozent der Firmen ein Problem (2006: sieben Prozent). "Sprunghafte angestiegen" sei die Internetkriminalität. 53 Prozent der Firmen beklagten solche Vorfälle. Vor vier Jahren seien es noch 30 Prozent gewesen. Zu den Online-Delikten gehörten unter anderem der betrügerische Verkauf von Waren und Dienstleistungen im Internet und Kreditkartenbetrug.
Durch kriminelle Handlungen ihrer Mitarbeiter entstünden den Unternehmen massive Schäden. Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht hätten bei den untersuchten Betrieben in den vergangenen drei Jahren mit 275,1 Millionen Euro zu Buche geschlagen, Geldwäsche mit 221,9 Millionen Euro und Korruption mit 215,8 Millionen Euro. Hohe Schäden richteten demnach auch die Fälschung von Jahresabschlüssen und Finanzinformationen mit insgesamt 200,3 Millionen Euro und die Verletzung von Geschäftsgeheimnissen mit 187,7 Millionen Euro an.
Bei der Aufdeckung der Verbrechen spiele "Kommissar Zufall weiterhin eine bedenklich große Rolle", erklärte KPMG-Kriminalitätsexperte Frank M. Hülsberg. In 55 Prozent der Unternehmen würden kriminelle Handlungen durch zufällige Entdeckungen aufgeklärt. Auf interne Kontrollmechanismen zur Verbrechensbekämpfung setzten rund zwei Drittel der Firmen (68 Prozent), auf Hinweise von Mitarbeitern 62 Prozent.
Kontrollsysteme sind laut Studie bei Großkonzernen mit 74 Prozent weitaus deutlicher verbreitet als bei Mittelständlern (59 Prozent). Gerade "Inhaber- oder familiengeführte Unternehmen setzen bei ihren Mitarbeitern auf das Vertrauensprinzip", sagte Hülsberg. Dadurch machten diese sich aber auch angreifbar, systematische Kontrolle werde häufig vernachlässigt. Der Umfrage zufolge ist bei 69 Prozent der Mittelständler die Gelegenheit zu einem Vertrauensmissbrauch die wichtigste Ursache für kriminelle Handlungen von Mitarbeitern. KPMG befragte für die Untersuchung 300 Unternehmen, davon knapp die Hälfte aus dem Mittelstand.
Quelle: t-online.de , AFP
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