
22.06.2010, 08:38 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Spionage-Gefahr kommt vor allem aus dem Netz (Foto: imago)
Schnüffelei aus dem Ausland wird für die gesamte deutsche Wirtschaft zu einer grundlegenden Bedrohung. Besonders im Mittelstand klaffen erhebliche Sicherheitslücken - der Schaden geht in die Milliarden.
"Die Spionage gewinnt an Bedeutung und wird zur Schwerpunktaufgabe des Verfassungsschutzes", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts.
Die zunehmenden Angriffe auf Firmencomputer gefährdeten den technologischen Vorsprung deutscher Unternehmen und damit letztlich Arbeitsplätze. Gleichzeitig warnte er vor dem "Faktor Mensch". So gebe es "Ausforschungsbemühungen über Studenten, Praktikanten und Doktoranden". Auch Regierung, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung seien zunehmend Ziel von Wirtschaftsspionage.
Der Verfassungsschutzbericht offenbart, dass vor allem kleine und mittelständische Unternehmen die Gefahr noch immer unterschätzen. Dagegen seien die 50 größten Unternehmen meist gut auf Wirtschaftsspionage vorbereitet. De Maizière rief den Mittelstand dazu auf, sein Know-how besser gegen Diebstahl über das Internet zu schützen.
Die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW) leiste "verdienstvolle Arbeit, sie reicht aber vielleicht nicht aus", sagte de Maizière. Er werde darüber demnächst auch mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft sprechen. Die ASW ist für Sicherheitsbehörden die Anlaufstelle der Wirtschaft. Sie wird von 17 Verbänden unterstützt.
"Im Mittelstand klafft eine erhebliche Sicherheitslücke. Die großen Unternehmen haben meist Sicherheitsabteilungen, kleinere nicht", sagte Berthold Stoppelkamp, Geschäftsführer der ASW. Viele Technologiefirmen böten "Einfallstore für Spionage". Durch regelmäßige Befragungen wisse die ASW, "dass Spionage nach wie vor ein großes Problem ist. Aber die Unternehmen reden darüber nicht offen", sagte Stoppelkamp. Vielfach würden die Firmen auch nicht bemerken, wenn sie Opfer werden.
Auftraggeber der Angreifer sind laut Verfassungsschutz vor allem russische und chinesische Geheimdienste. Teilweise sind sie sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Der Verfassungsschutz ist nur für ausländische Geheimdienste zuständig. Ermittlungen bei Ausspähversuchen durch konkurrierende Unternehmen sind dagegen Aufgabe der Polizei.
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Der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, räumte ebenfalls Nachlässigkeiten ein: "Viele Unternehmen unterschätzen noch immer die Gefahr, Opfer von Spionage zu werden." Dies sei "geradezu sträflich". Die Ausforschung beginne oft mit einem scheinbar unverfänglichen Gespräch auf einem Fachkongress, bei dem professionelle Informationsbeschaffer gezielt Firmenmitarbeiter aushorchen. BVMW und Verfassungsschutz sprechen von einer Schadenssumme von jährlich bis zu 50 Milliarden Euro, die Zahl lässt sich allerdings kaum belegen.
Quelle: Financial Times Deutschland
ax56 schrieb:
am 22. Juni 2010 um 10:45:54
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Rechte schützen
der staat muß die rechte schützen, indem er hart durchgreift. Händler, die kopierte ware importieren, müssen
strafrechtlich verfolgt werden. Patentrechte, urheberrechte,gebrauchsmusterschutz müssen während ihrer laufzeit stärker verteidigt werden. Es steht ja frei, daß sich interessenten lizensen erwerben können. Der staat müßte eine institution schaffen, die sich nur mit diesem thema beschäftigt und entsprechend eingreift. In unserer kopiergesellschaft sollte es keine rechtsfreie räume geben!
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GLOBETROTTEL schrieb:
am 22. Juni 2010 um 10:18:55
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Wirtschaftsspionage / Niedrigpreise bei Import
Wer sich Ratten als Haustiere hält, braucht nicht zu jammern wenn der Brotkorb leer ist.
(altes Sprichwort)
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Hermann schrieb:
am 22. Juni 2010 um 10:13:55
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Deutschland
In erster Linie sind unsere Betriebe es selber schuld, wenn sie ausspioniert werden, weil sie schlechter auf ihr Know-how achten
als ein Dreijähriger auf seine Süßigkeiten. In zweiter Linie ist unser Staat verantwortlich, der ausländischen Herstellern von Produktfälschungen erst wenn sie Ihren Kram auf deutschen Messen anbieten, schlimmstenfalls ein paar Tausend Euro Strafe vom Zoll aufbrummen läßt. Und zuletzt die Käufer, die alles superbillig haben wollen, egal wo und wie produziert.
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