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Zahlungsverkehr: Bezahlen per Fingerabdruck bald Wirklichkeit?

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Per Fingerabdruck im Supermarkt zahlen

22.01.2010, 15:07 Uhr | dpa, Yuriko Wahl

In immer mehr Supermärkten kann man mit seinem Fingerabdruck bezahlen (Foto: dpa) In immer mehr Supermärkten kann man mit seinem Fingerabdruck bezahlen (Foto: dpa) Geldvergessen, EC-Karte auch, genervte Gesichter in der Schlange an der Kasse. Kein Problem, schließlich hat man den eigenen Zeigefinger dabei. Einige Supermärkte haben das Zahlen per Fingerabdruck bereits eingeführt. Ein Pilotprojekt für das bundesweit erste "filialübergreifende biometrische Bezahlverfahren" läuft beim Rewe-Markt in Köln-Hürth. Der Vorteil des Fingers liege doch auf der Hand, meint Kassiererin Helga Gerth: "Das Geld kann man zu Hause vergessen, die Karte kann man verlieren, aber den Finger nicht." Das neue Angebot werde von Menschen aller Altersklassen gut angenommen. Die Kölner Testkunden seien "Versuchskaninchen", sagt dagegen die Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landesdatenschutzbeauftragten.

Zahlen per Fingerabdruck schon möglich

In einigen Supermärkten ist das Zahlen mit Fingerabdruck schon möglich, wie Ulrich Binnebößel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sagt. Allerdings bisher nur als Insellösungen: "Vor allem in Süddeutschland haben einige hundert Märkte von Edeka - das sind meist selbstständige Kaufleute - das System schon im Betrieb, aber nur jeweils beschränkt auf die eine Filiale." Der Düsseldorfer Handelsriese Metro prüft eine neue Technologie im "Future Store" seines Lebensmittelhändlers Real im niederrheinischen Tönisvorst.

Vorher muss der Kunde sich registrieren

Das "FingerPayment"-Modell, das die Kölner Rewe-Gruppe testet, soll Kunden das bargeld- und kartenlose Zahlen in allen teilnehmenden Märkten ermöglichen. Bei Rewe müssen sich die Kunden an einem Terminal im Laden registrieren, einen Finger der rechten und linken Hand auf einen Scanner legen sowie Anschrift und Bankverbindung angeben. Der Betrag wird per Lastschrift vom Konto eingezogen.

Daten werden in hochsicheren Datenbanken gespeichert

"Wir wollen die Alltagstauglichkeit der neuen Technik und die Akzeptanz der Kunden testen", erklärt Rewe-Sprecher Andreas Kraemer. Da nur einige charakteristischen Merkmale des Fingers gescannt und diese in einen anonymisierten Zahlencode umgewandelt werden, könne der ganze Fingerabdruck auf keinen Fall rekonstruiert werden. Die Informationen speichere Rewe getrennt von Personen- und Kontodaten in hochsicheren Datenbanken. "Das Verfahren ist sicher", beteuert Kraemer. "Der Scanner an der Kasse hat eine Lebendfinger-Erkennung und testet die Blutzirkulation. Man keine Attrappe nutzen oder den Tesa-Abdruck eines Fingerabdrucks à la James Bond."

Chaos Computer Club stellte Attrappe her

Ähnliches dagegen war den Sicherheitsexperten vom Chaos Computer Club vor einiger Zeit gelungen: Sie stellten eine Attrappe eines Fingerabdrucks her, der von einem Glas stammte, das eine Kundin angefasst hatte. Mit einer Folien-Attrappe ließ sich der Scanner an der Kasse täuschen.

HDE: Fingerabdruck genauso sicher wie Zahlen mit PIN

Der HDE hält die Technik für sicher. "Das ist ein interessantes Verfahren für die Zukunft mit einem hohen Sicherheitsstandard. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt nie. Aber der Fingerabdruck ist genauso sicher wie das Bezahlen mit Pin-Nummer", meint Binnebößel. Bettina Geyk, Sprecherin der NRW-Landesdatenschutzbeauftragten, sagt: "Unsere Leute haben versucht, ein solches Gerät mit nachgemachten Fingerabdrücken zu übertölpeln, aber es ist ihnen nicht gelungen." Dennoch ist sie skeptisch.

Noch keine gesetzliche Grundlage notwendig

"Solange der Fingerabdruck eine zusätzliche Option ist, die Teilnehmer vollständig informiert sind und auch wissen, dass da eine zentrale Datenbank hinter steckt, ist das rechtlich zulässig", sagt sie. Aber man müsse extrem sparsam damit umgehen: "Der Fingerabdruck ist kein Allerweltsmerkmal." Sollte das Verfahren andere Bezahlsysteme ablösen, entstünde eine Datenbank mit Daten fast aller Bürger. Dies bedürfe einer gesetzlichen Grundlage. Zentrale Datenbanken stellen Geyk zufolge immer auch einen Angriffspunkt für Hacker dar.

Kunden teilweise noch skeptisch

Die Befürworter argumentieren mit dem Faktor Zeit: "Im Schnitt dauert Zahlen per Finger nur sieben Sekunden, per Pin 12 Sekunden und mit Bargeld 20", sagt der Rewe-Sprecher. Schon 300 Tester nutzten das Verfahren regelmäßig seit der Einführung vor drei Monaten. "Eine Supersache, vor allem bequem", findet Stefan (28). Seine Freundin Nicole winkt aber ab: "Solange ich das System nicht durchschaue und nicht weiß, wer Zugriff auf meine Daten kriegen kann, mache ich nicht mit."


Quelle: t-online.de , dpa

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Kommentare (4)

zum Forum

Thema: "Zahlungsverkehr: Bezahlen per Fingerabdruck bald Wirklichkeit?"

Betrachter schrieb: am 2. Februar 2010 um 08:26:23
(0) (0) Fingerabdruck.....
Prima Sache, bei der Zeitersparnis kann dann viel Kassenpersonal eingespart werden und das ergibt dann einen noch
größeren Personenkreis /Hartz IV, über den in der Presse hergezogen werden kann, um von den wirklichen Problemen abzulenken, zum Beispiel der strafrechtlichen Verantwortung der Banker, Haftung der Politiker für ihre gegebenen Wahlversprechen usw., von der ausufernden Zuordnung von Datensätzen ganz zu schweigen.
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Rudi schrieb: am 30. Januar 2010 um 10:05:26
(0) (0) Fingerabdruck
Ich hab damit kein Problem - das wäre sogar sehr praktisch, aber Bedenken habe ich wegen der Fingeratrappe des CCC. Das
müßte also schon sicher sein. Das einem der Finger abgehackt wird galube ich auch nicht - vielleicht verlegen sich kriminelle dann eher auf erpresserischen Menschenraub.
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ES schrieb: am 30. Januar 2010 um 08:11:04
(0) (0) Fingerabdruck
Ich finde es richtig das nach neuen und sicherern Wegen gesucht wird. Alles ist im ständigen Wandel begriffen und man muß
mit der Zeit gehen. Aber die größtmögliche Sicherheit der Daten muß gegeben sein. Das ist Zukunft.
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