McZahn-Ärzte bei der Arbeit (Foto: dpa) Gegen den Zahnarzt-Discounter McZahn AG wird wegen Betrugs und Urkundenfälschung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal verdächtigt das Unternehmen, für Zahnersatz aus China mit Hilfe gefälschter Zertifikate zu hohe Preise bei den Krankenkassen abgerechnet zu haben und durchsuchte die Zentrale in Willich. McZahn wies die Vorwürfe zurück und beschuldigte Ex-Vorstandschef Werner Brandenbusch.
Der bislang entstandene Schaden soll mehr als 800.000 Euro betragen, so ein Bericht des WDR-Fernsehens am Dienstag. Wie die Staatsanwaltschaft erläuterte, können Techniker bei Zahnersatzimporten sogenannte Konformitätserklärungen ausstellen. Damit wird bescheinigt, ob und wie ein Produkt festgelegte Normen erfüllt und bestimmten Qualitätsstandards entspricht. Es bestehe der Verdacht, dass diese Erklärungen von McZahn gefälscht wurden.
Billiger Zahnersatz aus Fernost
Zahnersatz zum Nulltarif - damit wirbt die Kette mit Sitz in Willich. In ihren Partner-Praxen, die als Franchise-Unternehmen angelegt sind, soll die Kassenleistung die gesamten Kosten decken - Zuzahlungen der Patienten sind nicht mehr nötig. Allerdings sollten Kunden der McZahn-Filialen auf das Kleingedruckte achten: Dies gilt nur für Regelleistungen, also für den Einfachzahnersatz. Trotzdem zahle man für Inlays, Kronen und Brücken bis zu 50 bis 60 Prozent weniger als normalerweise in Deutschland üblich sei, so das Unternehmen. Möglich sei das durch Billigimporte aus China.
McZahn-Gründer zurückgetreten
2006 gestartet, wollte das Unternehmen laut WDR-Internetportal in den nächsten Jahren über 400 Filialen in der gesamten Bundesrepublik eröffnen. Im August 2008 werden acht Praxen von der McZahn AG als Franchise-Partner geführt, die meisten davon mit Sitz in Nordrhein-Westfalen. Auf seiner Internetseite gibt das Unternehmen an, derzeit drei weitere Filialen zu planen. Offenbar hat McZahn nicht nur in dieser Hinsicht Schwierigkeiten: Gründer und Vorstandsmitglied Werner Brandenbusch legte im Juli "aufgrund von massiven Meinungsverschiedenheiten ... über die Unternehmensführung" sein Amt nieder und übertrug sämtliche Aktienanteile an die Gesellschaft.
Ex-Vorstand leitete auch Importgesellschaft für den Zahnersatz
McZahn erklärte, mit der Staatsanwaltschaft kooperieren zu wollen. Man verwies darauf, dass der Zahnersatz bis Ende Juni über die Importgesellschaft "Silverline Dental" eingeführt wurde, deren Alleingesellschafter Werner Brandenbusch sei. Es sei auch "richtig", dass Brandenbuschs Firma "sogenannte Konformitätserklärungen für aus China eingeführten Zahnersatz zeitweise formal nicht ordnungsgemäß ausgestellt haben soll". Die Qualität des Zahnersatzes sei davon nicht betroffen gewesen. Genau dies wird aber nun von der Staatsanwaltschaft geprüft.
Ermittler bekamen Tipp von einem Zahntechniker
Spiegel Online schreibt, die Ermittler seien dem Unternehmen nach einem Tipp eines ehemaligen Zahntechnikers auf die Schliche gekommen. Der Mann habe für McZahn die Konformitätsbescheinigungen in seinem Namen ausgestellt und dafür Geld bekommen. Nachdem die Zusammenarbeit endete - über die Gründe dafür machen beide Seiten unterschiedliche Angaben - soll McZahn dennoch weiter in seinem Namen Bescheinigungen ausgestellt haben.