ZEW: Konjunkturerwartungen steigen erneut deutlich
19.05.2009, 14:30 Uhr | bab
ZEW: Die Lage ist schlecht, die Aussichten gutNach dem historischen Konjunktureinbruch wächst unter Finanzexperten die Hoffnung auf eine Erholung. Der am Dienstag vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlichte Index zu den Konjunkturerwartungen stieg um 18,1 auf 31,1 Punkte. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten lediglich mit einer Aufhellung auf 20,6 Punkte gerechnet. Mit diesem Wert liegt der ZEW-Index über seinem historischen Mittelwert von 26,2 Punkten. Im April war der Indikator mit 13,0 Punkten erstmals seit Juli 2007 wieder in den positiven Bereich gedreht.
Die erneut optimistischere Einschätzung der befragten Wirtschaftsexperten dürfte nach Angaben des ZEW darauf zurückzuführen sein, dass sich "in den vergangenen Wochen in der Realwirtschaft vorsichtige Anzeichen einer Erholung gezeigt" hätten. So sei der "freie Fall der Industrieproduktion gestoppt" worden. Außerdem legten die Exporte wieder zu, und es gebe mehr Aufträge in der Industrie. Die Bewertung der aktuellen Lage hat sich im Mai hingegen erneut leicht verschlechtert. Der entsprechende Indikator sank um 1,2 auf minus 92,8 Punkte.
Commerzbank-Analyse: "positives Signal“
Der Commerzbank zufolge ist der kräftige Anstieg ein positives Signal. Zwar dürfe nicht vergessen werden, dass es sich hier um eine Umfrage unter Analysten handele und diese eben davon ausgingen, dass sich die katastrophalen Schrumpfungsraten des ersten Quartals nicht wiederholen werden, so die Experten. "Allerdings war der ZEW in der Vergangenheit als Indikator für untere Wendepunkte nicht schlechter als zum Beispiel die ifo-Geschäftserwartungen." Zudem sei eine bessere Stimmung bei den Finanzmarktteilnehmern sicherlich nicht schlecht für den Aktienmarkt. "Wenn ZEW und ifo-Geschäftserwartungen in früheren Zyklen gedreht hatten, folgt darauf mit einer Ausnahme 2001/02 ein Aufschwung am Aktienmarkt", so die Commerzbank.
Warnung vor zu viel Optimismus
Trotz der steigenden Konjunkturerwartungen warnte ZEW-Chef Wolfgang Franz mit Blick auf die Beschäftigung in Deutschland vor zu viel Optimismus. "Bei der Entwicklung am Arbeitsmarkt steht uns das Schlimmste wohl noch bevor". Einer Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge rechnen zwei Drittel der Industriebetriebe in Deutschland in diesem Jahr mit einem Abbau von Arbeitsplätzen. Ebenfalls knapp zwei Drittel der Firmen bewerteten ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als weniger gut oder gar schlecht. 57 Prozent der Unternehmen gingen von schrumpfenden Gewinnen aus. Im Handel bewerte hingegen weniger als die Hälfte der Firmen die derzeitige Situation als eher schlecht, bei den Dienstleistungsunternehmen seien es nur rund zwei Fünftel.
Noch tiefer geht nicht
Trotz der derzeit schwierigen Lage sei der Optimismus der Industriefirmen für das kommende Jahr besonders groß, teilte PwC mit. Von ihnen rechneten für 2010 mehr als drei Viertel mit einem Aufwärtstrend. Im Handel sähen dagegen nur 53 Prozent ein Ende der Talfahrt, in der Dienstleistungsbranche seien es 47 Prozent. Insgesamt rechneten 60 Prozent aller deutschen Großunternehmen im kommenden Jahr mit dem Ende des Abschwungs, teilte PwC mit. Jede neunte Firma ginge sogar von einem "klaren Aufschwung" aus. Nur ein Fünftel der Betriebe sehe 2010 für die wirtschaftliche Entwicklung weiter schwarz. Die "überdurchschnittlich hohen Erwartungen" der Firmen für das kommende Jahr müssten vor dem Hintergrund der derzeit schwierigen Lage gesehen werden, erklärte PwC-Mittelstandsexperte Norbert Winkeljohann. "Bei vielen kann es nach dem steilen Absturz nur noch aufwärts gehen." PwC befragte für die Untersuchung knapp 200 der 500 größten deutschen Unternehmen, gemessen an der Zahl der Mitarbeiter.