
04.03.2011, 08:21 Uhr | Financial Times Deutschland
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Zinssignal an die Märkte (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) haben am Donnerstag vor allem die Renten- und Devisenmärkte heftig durchgeschüttelt. Grund dafür war, dass EZB-Chef Jean-Claude Trichet - für viele Anleger überraschend - recht deutlich eine Zinserhöhung in Aussicht stellte. "Eine Anhebung beim nächsten Treffen ist möglich", sagte er nach der Ratssitzung. Marco Valli, Europachefvolkswirt bei Unicredit, wertete die Äußerungen als "Schocker" für die Märkte.
Die Renditen deutscher Staatsanleihen und der Euro schossen kräftig nach oben. Auch die Zinsen in den Randstaaten des Euro-Raums kletterten heftig. Die Aktienmärkte in Europa reagierten hingegen eher verhalten auf die Äußerungen.
Die Zentralbanker begründeten einen möglichen Zinsschritt damit, dass sie gegenüber den Inflationsrisiken "große Wachsamkeit" walten lassen müssten. In der Vergangenheit galten diese Signalwörter als Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung. Damit erwischten sie die meisten Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß: Sie hatten sich in den vergangenen Wochen auf ein oder zwei Zinsschritte erst in der zweiten Jahreshälfte eingestellt.
Dazu hatten die schärfer werdenden Inflationswarnungen der Euro-Notenbanker beigetragen. Einmal mehr sei die Entschlossenheit der EZB beeindruckend, die Inflation zu bekämpfen, sagte Marc Ostwald, Stratege bei Monument Securities in London. Dabei könnten jedoch viele Investoren gerade im anglo-amerikanischen Raum der europäischen Notenbank vorwerfen, mit höheren Zinsen die Schuldenkrise der Randstaaten im Euro-Raum zu beschleunigen und somit zu verschärfen.
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Die meisten Ökonomen in den Banken rechnen jetzt fest damit, dass die Währungshüter ihre Ankündigung auch umsetzen. Sie gehen von einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkt auf 1,25 Prozent am 7. April aus - weitere Anstiege nicht ausgeschlossen. Viele Volkswirte änderten am Donnerstag nach der EZB-Sitzung ihre Zinsprognosen. So erwartet etwa Stephane Deo, Europa-Chefvolkswirt bei der UBS, bis Ende des Jahres zwei weitere Leitzinserhöhungen auf dann 1,75 Prozent.
Die Renditen von Staatsanleihen aus Deutschland stiegen kräftig (vgl. Bund-Future), sie gelten als Richtmaß für Staatspapiere im Euro-Raum. Besonders heftig war der Anstieg bei zweijährigen Papieren, die besonders deutlich auf geänderte Zinserwartungen der Marktteilnehmer reagieren. Am Donnerstagabend stieg die Rendite um 23 Basispunkte auf 1,777 Prozent. Dies war das höchste Zinsniveau seit Anfang 2009. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ging es um 13 Basispunkte auf 3,326 Prozent nach oben.
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Die Bundesanleihen zogen auch die Renditen der Staatspapiere aus den kriselnden Euro-Staaten kräftig mit nach oben. Damit könnte es den dortigen Regierungen schwerer fallen, sich neues Geld am Kapitalmarkt zu leihen, weil dies für sie nun teurer wird. Vom Zinsanstieg war unter anderem Portugal betroffen, das für viele Marktteilnehmer und die Ratingagentur Standard & Poor's als nächster Kandidat für den Rettungsschirm der Europäischen Union, der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds gilt. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen stieg um sechs Basispunkte auf 7,522 Prozent. Sie war damit nur noch wenig von ihrem Rekordwert von 7,636 Prozent entfernt.
Da viele Anleger sich nun auf steigende Leitzinsen im Euro-Raum einstellen, legte auch die Gemeinschaftswährung kräftig zu. Sie profitiert davon, dass die EZB deutlich früher an der Zinsschraube dreht als die US-Notenbank. Diese hatte sogar gerade erst eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik angedeutet. Höhere Zinsen machen eine Währung attraktiver. Zeitweise gewann der Euro fast ein Prozent auf 1,3974 Dollar, er gab am Abend einen Teil seiner Gewinne wieder ab und notierte bei 1,3936 Dollar. Positive Konjunkturmeldungen aus den USA konnten den Dollar nur wenig stützen.
An Europas Börsen verbesserte sich die Stimmung nach zwei Verlusttagen wieder etwas. Gute Unternehmenszahlen und die Gespräche über eine Friedenslösung in Libyen sorgten bei den Anlegern zunächst für Kauflaune. Allerdings dämpfte die Angst vor einer baldigen Zinserhöhung die Aufwärtsbewegung. Christian Stocker, Aktienstratege bei der Unicredit, sagte, ein so konkreter Hinweis auf die Inflationsproblematik sei nicht erwartet worden, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im April liege nun bei 90 Prozent. Das habe den Markt auf dem falschen Fuß erwischt, sagte ein Händler.
Der Goldpreis reagierte mit Verlusten auf die Äußerungen Trichets. Die Feinunze verbilligte sich um ein Prozent auf ein Tagestief bei 1411,50 Dollar. Erwartet der Markt steigende Zinsen, dann erhöhen sich die Opportunitätskosten für den Besitz von Gold als Vermögenswert, weil er dem Investor keine Zinsen einbringt. In Euro fiel der Preis um fast zwei Prozent auf ein Tief von 1015,56 Euro zurück.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Ne ne ,lieber nicht ! schrieb:
am 4. März 2011 um 12:15:37
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Zinssignal
Dann nenne bitte auch Roß und Reiter für deinen Vorschlag. Seit wann sind denn die Bundesländer für die EZB zuständig ? D.h.
man sollte das Mandat einem H.Gysi geben, der sich ja schon so erfolgreich im Berliner Senat um Finanzen "bemüht" hat. Oder wie wärs mit H.Trittin als Finanzminister Der kennt sich ja bestimmt auch mit Spardosen aus.
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Max schrieb:
am 4. März 2011 um 11:40:06
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Zinssignal
Auch mit einer spürbaren Zinserhöhung wird der Anstieg der Inflation nicht geringer. Das Gegenteil wird eintreten, denn
wirtschaftliche Entwickung hat den Stand vor der Finanzkrise noch nicht erreicht und die Rohstoffpreise werden durch Spekulation weiter in die Höhe getrieben. Der Abgang der Bundesbankpräsidenten ist doch ein unübersehbares Signal dafür, dass sich Finanzexperten durchsetzen, die weiter auf Staatsverschuldung und Inflation setzen. Der Euro spürbar abgewertet.
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Kalli schrieb:
am 4. März 2011 um 09:58:14
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Pleite
Die nächste Währungsreform wird kommen, der Euro ist nicht mehr zu halten. Die Staatsverschuldungen sind zu hoch, als das sie noch
gestemmt werden könnten. Schuld ist der Kapitalismus, immer mehr geht hat nicht.
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