Zinswende voraus - jetzt noch gute Festgeld-Zinsen
13.08.2008, 14:13 Uhr | Martin Mrowka
Festgeld: Noch lohnt sich die Anlage (Bild: Imago)Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf absehbare Zeit unveränderte Leitzinsen signalisiert. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sieht verstärkte Wachstumsrisiken für die Konjunktur und ließ die Leitzinsen in der Eurozone wo sie waren - bei 4,25 Prozent. Eine weitere Leitzinserhöhung in diesem Jahr wird nun am Markt nicht mehr erwartet. Vielmehr denken viele Experten bereits an 2009 und erwarten da schon wieder fallende Zinssätze. Auch die Zeit steigender Zinssätze für Tages- und Festgeld dürfte damit vorbei sein. Anleger können sich jetzt noch die attraktiven Konditionen sichern.
Für Festgeld bieten einige Institute mehr als fünf Prozent; das liegt weit über dem Leitzins der EZB von 4,25 Prozent, zu dem die Institute sich bei der Notenbank selbst Geld besorgen. Die Finanzberatung Max Herbst (FMH) ermittelt derzeit sogar Spitzen-Festgeldsätze von 5,50 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Durchschnittssatz bei 12-Monats-Festgeld liegt bei 4,7 Prozent - der höchste Stand seit sechs Jahren (siehe Grafik). Die Freude über den Zinsgewinn wird lediglich von der Rekordinflation getrübt, die mit deutlich über drei Prozent so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr ist.
5-Jahres-FMH-Index: Durchschnitts-Festgeld im Vergleich zu EZB-Leitzinssatz (Quelle: FMH)
Banken sind scharf auf unser Geld
Die Banken buhlen um das Geld der Kunden. "Das Geld der Verbraucher ist für die Banken interessanter geworden, weil sie wegen der Finanzmarktkrise frisches Kapital brauchen", sagte Finanzexperte Marcus Preu vom unabhängigen Internet-Portal Biallo.de. "Zudem hat sich der Wettbewerb verschärft, weil große Banken verstärkt auf dem Privatkundenmarkt mitspielen." Normalerweise leihen sich die Banken untereinander große Summen. Doch seit Beginn der US-Immobilienkrise und dem Ausbruch der Finanzkrise grassiert das Misstrauen. Hat der Konkurrent vielleicht noch Löcher in seinen Bilanzen? Da horten die Banken das Geld lieber. Gleichzeitig haben Großbanken den Privatkunden neu entdeckt, weil das Investmentbanking wegen der Finanzkrise nicht mehr die üppigen Gewinne früherer Zeiten abwirft.
Risikoloses Tagesgeld bringt im Schnitt 3,3 Prozent
Selbst für risikoloses, täglich verfügbares Tagesgeld bieten einige Finanzinstitute derzeit mehr als fünf Prozent. Der Schnitt für die Einlage von 5000 Euro liegt laut FMH bei knapp 3,3 Prozent. "Die hohen Tagesgeld-Zinsen sind vor allem Folge des hart umkämpften Marktes", sagte der Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, Thomas Schlüter im vergangenen Monat. Der Verband verweist darauf, dass die Zinsen, die die Banken zahlen oder nehmen, nur zu einem kleinen Teil von den Leitzins-Veränderungen der EZB abhängen. Die Notenbank steuert laut Verband weniger als fünf Prozent der gesamten Einlagen der Banken bei.
Konjunktur schwächt sich ab
Dennoch wird der Trend von der EZB vorgegeben. Mit einer Verzögerung folgen die Banken mit ihren Konditionen für Privatkunden. Sollten die eingangs erwähnten Finanzexperten Recht behalten und steigt auch die Inflationsrate nicht noch weiter, dürfte die EZB zur Konjunkturstützung in einigen Monaten die Leitzinsen senken. Schon im September könnten sich die Konjunkturwolken weiter verdunkeln, was die Zinssenkungsphantasie weiter ankurbeln wird. Früher oder später sinken dann auch die Sätze für Tages- und Festgeld.
Langfristige Anlagezinsen kaum über Festgeld
Für ein Ende der "goldenen" Festgeld-Zeiten spricht auch, dass die Zinssätze für eine Anlagedauer von drei Jahren kaum höher als für 12-Monats-Geld liegen. Das Spitzeninstitut im FMH-Vergleich, die niederländische GarantiBank, bietet für eine Festlegung von 5000 Euro für 36 Monate 5,6 Prozent Zinsen. Wer sich nicht so lange binden will oder kann, greift zum unkomplizierten und genauso attraktiven Festgeld. Einige Banken bieten gute Konditionen auch für kleinere Summen. Und wer das Ganze online abwickelt, erhält oft noch einen kleinen Vorteil.