18.01.2011, 14:24 Uhr | Tobias Schormann, dpa
Bewerber 50plus sollten ihr Alter bei der Jobsuche nicht in den Vordergrund stellen. (Foto: imago)
Arbeiten bis 67? Schön wär's! So denken sicher einige Bewerber der Altersgruppe 50plus. Denn für Ältere ist es keineswegs so einfach, einen neuen Job zu ergattern. Umso wichtiger ist es, dass sie sich beim Bewerben richtig verkaufen. Ein Karriereberater verrät, wie das am besten funktioniert.
Viele Ältere wollen noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Auf dem Arbeitsmarkt werden sie mitunter aber gnadenlos aussortiert. Langfristig gesehen hat sich die Lage immerhin gebessert: Nach einem Bericht der Bundesregierung sind anteilig immer mehr Ältere erwerbstätig. Und ihre Jobchancen dürften durch den Fachkräftemangel weiter steigen. Dennoch haben sie oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Das sollten Ältere beim Bewerben beachten:
Alter ist hierzulande ein eher negativ besetzter Begriff. Erfahrung klingt da besser. Mit dem Hinweis auf 20 Jahre Berufserfahrung punkten Bewerber aber nicht automatisch, erklärt der Karriereberater Heiko Lüdemann aus Stuttgart. Denn auf die Dauer einer Tätigkeit allein kommt es nicht an. Sie müssten konkret beschreiben, was ihre Erfahrung ausmacht. "Man kann zum Beispiel sagen: 'Ich habe gute Kontakte und kenne die Prozesse in der Branche sehr gut.'" Außerdem sollten Bewerber ein oder zwei Beispiele für Projekte geben, für die sie verantwortlich waren.
Der Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin rät sogar davon ab, das eigene Lebensalter groß zu thematisieren: "Alter ist nie ein Argument." Es gehe vielmehr um Kompetenz. "Sprechen Sie von Ihrem Alter nur im Altersheim", meint der Experte daher. Es reicht also, wenn das Geburtsdatum im Lebenslauf steht. Noch schlimmer ist es, das eigene Alter schönzureden. "Schreiben Sie bloß nicht: 'Ich bin 50 Jahre jung'", warnt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. "Das ist lächerlich." Und mit solchen Aussagen machten Bewerber ihr Alter nur zum Problem.
Demut ist eine Tugend - beim Bewerben ist sie aber fehl am Platz, sagt Lüdemann. So sei es ein typischer Fehler von älteren Bewerbern, sich lang und breit zu rechtfertigen. Er habe das kürzlich in einer Schulung beobachtet: "Da hat sich eine Frau permanent dafür entschuldigt, dass sie zwei Kinder und jetzt mehrere Jahre nicht gearbeitet hat." Das komme beim Personaler so an, als ob sie denkt: "Ich würde mich auch nicht einstellen". Stattdessen sollten ältere Bewerber versuchen, sich selbstbewusst zu präsentieren. Dafür müssten sie ihre Stärken kennen und diese herausstreichen.
Hoffnungslos sei es dagegen, auf der "Mitleidsschiene" an einen Job kommen zu wollen, ergänzt Winkler. "Sie verhandeln mit einem Arbeitgeber und nicht mit einem Altersversorger", betont der Karriereprofi. Bewerber dürften daher nicht träge oder gar verbittert wirken. Und anstatt zu jammern, sollten sie lieber von ihren Leistungen sprechen.
Ältere hätten immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, hat Lüdemann beobachtet. Damit sollten sie offensiv umgehen. So sei es ein Fehler, wenn Bewerber "nicht den Mut haben, vorurteilsbehaftete Themen selber anzusprechen". Sie verpassten so die Gelegenheit, Vorurteile zu entkräften. So könnten Ältere dem Personaler im Vorstellungsgespräch etwa sagen: "Sie denken jetzt vielleicht: Der ist ja schon 58 und will gar nicht mehr. Ich kann Ihnen aber sagen: Ich will."
Ältere Bewerber haben nicht selten einen langen Lebenslauf. Es sei aber ein Fehler, wenn sie alles auflisten, was sie beruflich gemacht haben, warnt Lüdemann. Gerade für Ältere gelte hierbei: Weniger ist mehr. "Und man muss auf den Punkt bringen, was für den neuen Job wichtig ist."
Es kann die Jobchancen erhöhen, wenn ältere Bewerber auch zu Kompromissen bereit sind. Sie schließen Jobangebote also besser nicht gleich aus, die anfangs schlechter bezahlt oder weniger verantwortungsvoll sind als ihr letzter Job. "Immer, wenn Sie Angst haben, dass Sie sich verschlechtern, überlegen Sie: Was ist die Alternative?", rät Winkler. "Generell gilt: Überlegen sie nicht, was die anderen denken. Überlegen Sie, was Sie und Ihre Familie davon haben."
Zu sehr tiefstapeln sollten ältere Bewerber aber nicht, findet Leitner. Wer sich nach dem Motto "Hauptsache, ich bekomme einen Job" bewirbt, komme nicht weit. "Dann denkt der Personaler: Da muss etwas faul sein." Ein ehemaliger Abteilungsleiter sollte sich also wieder auf einen leitenden Posten bewerben. Wer von vornherein sagt, dass er zu Abstrichen aller Art bereit ist, mache sich unglaubwürdig.
Älteren haftet das Image an, weniger lernfähig und lernwillig als Jüngere zu sein. Um dem entgegenzuwirken, sollten Bewerber dem Personaler deutlich machen, dass sie immer noch bereit sind, sich weiterzubilden, sagt Lüdemann. Allerdings ist ein Betrieb keine Volkshochschule. "Die suchen jemanden, der den Job macht und kann." Es komme aber gut an, wenn ältere Bewerber zum Beispiel ihre Fremdsprachenkenntnisse aufgefrischt oder einen EDV-Kurs besucht haben. So räumen sie eventuell auch mit dem Vorurteil auf, dass sich Ältere nicht so gut mit Technik auskennen.
Arbeitsmarktforscher rechnen künftig mit deutlich größeren Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer. Nach einem Bericht der Bundesregierung hat sich die Beschäftigungsquote der 60- bis unter 65-Jährigen im zweiten Quartal 2010 auf 41,1 Prozent erhöht. Damit hat sie sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Bei den 55- bis unter 60-Jährigen lag sie 2009 bei 69,9 Prozent - damit hat sie innerhalb von zehn Jahren um 13 Prozentpunkte zugelegt.
Quelle: dpa-tmn
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